Victoria Geschichte
22. März, 2007 von Moderator
Geschichte Victorias
Die Gründung Victorias geht auf eine kuriose Geschichte zurück. 1804 wurde auf der Mornington-Halbinsel im Südosten Australiens eine Kolonie gegründet, von der aus die Erschließung der Hinterlands in Angriff genommen werden sollte.
Als sich jedoch nach recht kurzer Zeit die ersten Schwierigkeiten bei der Besiedlung ergaben, stellte man das Vorhaben ein. Die erste Siedlung auf dem Boden des heutigen Victoria bestand gerade einmal sechs Monate, da die Region als „für die Besiedlung ungeeignet“ erklärt wurde.
Es sollte mehr als dreißig Jahre dauern, ehe die europäischen Siedler wieder ernsthafte Anstrengungen unternahmen, diesen Teil des Kontinents zu erschließen.
Diese Bemühungen gegen zurück auf den gerissenen Kaufmann John Batman, den mythischen Staatsgründer Victorias. Er kaufte ein Gebiet von rund 240.000 Hektar Land für ein paar kleine Geschenke an die Aborigines, vorwiegend für Decken, Mehl und Tomahawks. Das Gebiet, welches nun zumindest inoffiziell zum Besitz dieses Mannes gehörte, befand sich in der Port Phillip Bay, auf dem Boden des heutigen Victoria.
John Batman wandte sich an die Kolonialregierung in New South Wales, die zähneknirschend keinen anderen Weg sah, als den Anspruch dieses Mannes zu beurteilen. Man kritisierte die Art des Kaufvertrages, und so kam es schließlich zu einem Ausgleich für die Auslagen, die John Batman gehabt hatte, ohne dass er rechtmäßigen Anspruch auf das Land in der Port Phillip Bay hätte gewinnen können.
Die Möglichkeit, in dieser Bucht eine neue Besiedlung zu wagen, wollte man in New South Wales allerdings gerne nutzen, und so kam es zur Gründung der ersten Siedlung in Victoria, die nach dem damaligen Premierminister Lord Melbourne benannt wurde.
Die ersten Jahre der jungen Kolonie sind geprägt durch die „squatters“, bei denen es sich um Schaf- und Rinderfarmer handelte, die in dem neu erschlossenen Land eine gute Gelegenheit sahen, ihren Grundbesitz zu erwarten. Die Viehzucht war damals ein Unterfangen, für das man besonders viel Boden benötigte, und so war es kein Wunder, dass gerade diese Menschen von der neuen Kolonie angezogen wurden.
Aber die Schafzucht wurde äußerst erfolgreich in der Region: um 1840 kamen auf die damals rund 10.000 Bewohner von Victoria immerhin 800.000 Schafe.
Es ist wohl auf die besondere Geschichte Victorias zurückzuführen, dass ein Bestreben nach Separation von New South Wales schon relativ früh aufkamen. Die Bewohner der Region, die gerade erst zugezogen waren, entwickelten gegenüber den anderen Kolonien, die beinahe allesamt auf Sträflingslager zurückzuführen waren, schnell ein starkes Selbstbewusstsein, welches nicht mit der scheinbaren Abhängigkeit von einer „Mutterkolonie“ zu verbinden war.
Schon vier Jahre, nachdem die erste Kolonie des zukünftigen Victoria überhaupt zur Stadt erklärt worden war, folge die offizielle Trennung der Gegend um die Port Phillip Bay von New South Wales. Die neu gegründete Kolonie wurde zu Ehren der damaligen Königin „Victoria“ genannt.
Es folgt eine Geschichte des schnellen Aufstiegs: der australische Goldrausch, der die wirtschaftliche Entwicklung vieler Staaten so entscheidend geprägt hat, wirkte nicht nur auch in Victoria, er nahm in diesem Staat sogar seinen Anfang.
Noch 1851, als Victoria gerade eine eigenständige Kolonie geworden war, entdeckte man bei Ballarat und Bendigo Gold. Die erste Welle des Goldrausches, der daraufhin über die junge Kolonie schwappte, war gewaltig. Aus allen Richtungen Australiens kamen Goldschürfer, Glücksritter und Händler, die von dem Reichtum einen Anteil erlangen wollten.
Viele Städte gründeten sich in der Gegend von Zentral-Victoria, in der die reichsten Goldvorkommen zu finden waren, und die ergiebigen Goldfelder warfen genug ab, um nicht nur die Schürfer, sondern auch noch die versorgenden Händler und anderen Dienstleister leicht zu einem ansehnlichen Reichtum zu bringen. Die Bevölkerung verzehnfachte sich innerhalb von wenigen Jahren, und das Goldfieber schien für eine gute Weile nicht abbrechen zu wollen.
Nach dem Ende des spektakulären Goldrauschs in Victoria blieben die neuen Bewohner der Kolonie allerdings nicht ohne Arbeit zurück. Das Gold hatte die Grundlage für den wirtschaftlichen Aufschwung geliefert, der im 19. Jahrhundert auch die Industrie ergriff und so eine große Zahl von langfristigeren, weniger rohstoffgebundenen Arbeitsplätzen schaffte.
Auch die Gründung kleiner Farmen war sehr verbreitet – unter den Züchtern der achtziger und neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts war eine beträchtliche Zahl ehemalige Goldschürfer.
Den entscheidensten Einfluss nahm diese wirtschaftliche Entwicklung allerdings auf das rasch wachsende Melbourne. Die Stadt entwickelte sich bald nicht nur zu einem Zentrum der Industrie, sondern auch zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt, der unter anderem die Verbindung der abgelegeneren Teile der Kolonie mit der Außenwelt sicherte.
Schutzzölle wurden eingerichtet, um der Industrie Vorteile zu verschaffen und den Aufbau weiterer Einrichtungen zu fördern.
Doch auch wenn Victoria in der Zeit nach dem Goldrausch auf eine erfolgreiche industrielle Entwicklung zurückblickt, konnte dies die junge Kolonie nicht vor der großen Rezession der neunziger Jahre schützen.
In dieser Zeit, als die Industrie zunehmend unwirtschaftlich zu werden drohte, während eine schlechte wirtschaftliche Entwicklung viele Betriebe gefährdete, musste Victoria zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder einen Bevölkerungsrückgang verbuchen.
Nachdem diese Krise allerdings überwunden war, begann eine neue Epoche der Geschichte des jungen Australien. 1901 wurde der Commonwealth of Australia gegründet, der Staatenbund, der bis heute besteht. In diesem Bund fungierte Melbourne bis zum Regierungsumzug nach Canberra ins Australian Capital Territory als provisorische Hauptstadt.
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