Traumzeit Aborigines
6. Mai, 2007 von Moderator
Der Sturt National Park – ein sehr junger Park
Der abgelegenste Park von New South Wales ist der Sturt National Park, ein riesiges Schutzgebiet, welches mehr als 300.000 Hektar umfasst. Die Landschaft, die man in diesem Gebiet findet, ist Outback in seinen verschiedenen Variationen. Die heiße Luft flimmert über den sengend heißen roten Sandsteinfelsen, und kleine Büsche bewegen sich im Wind, der allerdings kaum Abkühlung verspricht – einen lebhafteren Eindruck vom Outback als im Sturt National Park kann man in New South Wales wohl kaum erlangen.
Der Park liegt im äußersten Nordwesten des Staates, in der Region, wo das Land sich an die gewaltigen ariden Flächen im Zentrum des Kontinents anschließt. Der Sturt National Park ist also kein abgeschlossenes Areal, sondern ein Ausschnitt des wahren autstralischen Outback.
Die frühesten Zeugnisse menschlicher Kultur im Sturt National Park sind natürlich die Kunstwerke der Aborigines, die man überall finden kann. Vor allem Muschelhaufen, die sogenannten „middens“, sind weit verbreitet; man ist sich bis heute nicht ganz klar über die Bedeutung dieser Stätten, doch scheinen sie bei den meisten Aborigine-Stämmen verbreitet gewesen zu sein, da man sie in ganz Australien findet.
Interessant sind auch die verschiedenen Arten von Steinrelikten, die man im Park findet – Kunstwerke von kultischer Bedeutung, die wahrscheinlich Aspekte der Traumzeit darstellen und in diese Welt bringen sollten.
Der Reichtum des Sturt National Parks an solchen Kulturzeugnissen ist immens. Nicht nur deshalb sprechen manche Liebhaber von diesem Park als dem „australischsten“ aller Nationalparks, da er wie kein anderer wichtige Teile des kontinentalen Selbstverständnisses verkörpert und anschaulich darstellt.
Es scheint, als seinen die ersten Stämme der Aborigines noch während der Erkundung des Kontinents ins Outback eingedrungen. Man kann sich nicht so richtig erklären, welchen Reiz dieser heiße und lebensfeindliche Teil des Landes auf dieses Volk ausübte; immerhin hätte es genug Möglichkeiten gegeben, nur in den küstennäheren Gebieten es Landes zu leben. Dennoch haben sich die Aborigines auch und teilweise sogar in großem Maße das Outback als Lebensraum ausgesucht.
Der erste Europäer, der größere Reisen durch das Outback und das Gebiet des heutigen Sturt Parks unternahm, war Charles Sturt, der Namenspate des Parks.
Zwischen 1844 und 1845 durchstreifte dieser Entdecker das Outback auf der Suche nach einem Binnenmeer, welches es gerüchteweise im Inneren Australiens geben sollte. Die Suche blieb allerdings zumindest in dieser Beziehung ergebnislos – das Meer war nicht mehr als ein Gerücht, und auch wenn Sturt wichtige Entdeckungen bei der Erforschung es Outback macht, erreichte er sein eigentliches Ziel nicht.
Es sollte noch beinahe dreißig Jahre dauern, bis die ersten größeren menschlichen Siedlungen auf dem Gebiet des heutigen Parks gegründet wurden. Schon einige Zeit vor 1880 wurde in der Region Granitabbau betrieben; in diesem Jahr stieß man bei der Arbeit jedoch auf Gold. Gierig, es den Goldstädten in anderen Teilen Australiens nachzumachen, kamen Siedler auch aus großer Entfernung ins Outback und gründeten Tibooburra.
Allerdings waren die Vorkommen nicht besonders groß. Die Siedlung hielt sich kaum zehn Jahre durch den Goldrausch über Wasser; danach musste sie wie viele andere ehemalige Goldstädte auf die Viehzucht zurückgreifen, um ihr Auskommen zu sichern.
Viehzucht im Outback war immer ein undankbares und hartes Geschäft, doch wird sie noch heute betrieben. Glücklicherweise ist die Bewässerungstechnologie heute so weit fortgeschritten, dass die Arbeit etwas weniger mühsam ist.
Entlang der Grenze zu Queensland entstand im Zuge der Viehzucht der längste Zaun der Welt, der sogenannten Dog Fence, der einen wirkungsvollen Schutz gegen räuberische Dingos darstellt.
Der Sturt National Park besteht erst seit 1972.
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