James Cook Australien
21. Mai, 2007 von Moderator
Die Entdeckung Australiens - keine einmalige Sache
Üblicherweise wird Captain James Cook die Entdeckung Australien im Jahr 1770 zugeschrieben. Mit seinem Schiff ging er in der Botany Bay vor Anker, da ein Notstand an Wasser und pflanzlichen Nahrungsmitteln bestand, der die Matrosen bedrohte, um die benötigten Güter in de unbekannten Land aufzunehmen.
Im Laufe dieser Fahrt erkundete Cook die gesamte Ostküste Australiens und brachte die Nachricht von dem neu entdeckten Land später nach England.
Allerdings war Australien in Europa eigentlich schon seit mehreren hundert Jahren bekannt. Der berühmte Weltumsegler Magellan hatte Australien bereits im 16. Jahrhundert passiert und entdeckt, als er sich auf der Suche nach dem Südkontinent (terra australis) befand. Nach dieser Fahrt war der Nord- und Westteil des Kontinents den Holländern durchaus schon bekannt und wurde in den Niederlanden üblicherweise als „Neu-Holland“ bezeichnet.
Indonesische Seeleute kannten den Kontinent allerdings noch länger als die holländischen Seefahrer, die ihm zwar Beachtung gezollt hatten, aber ansonsten keine Bestrebungen in Richtung Australien unternahmen.
Seefahrer der Insel Makassar, die Teil des indonesischen Archipels ist, trieben mit den Aborigines der Nordküste bereits seit langem Handel.
Allerdings ist trotz der Tatsache, dass James Cook Australien nicht „entdeckt“ hat, seine Fahrt der Beginn der Besiedlung des Kontinents durch Europäer.
Nach seiner Rückkehr nach England berichtete Cook über die äußerst dünne Besiedlung des Küstenstreifens der Botany Bay, in dem, wie er und seine Botaniker Banks und Solander berichteten, nur „30 oder 40 Menschen“ lebten.
In der Tat waren es wohl einige tausend Aborigines, die in der Gegend lebten, nur waren sie teilweise so weit verstreut, dass dennoch nur eine äußerst dünne Besiedlung zu erkennen war. Trotzdem kann man vermuten, dass Cooks Beschreibung dieser äußerst geringen Bewohnerzahl nicht nur ein großer Irrtum, sondern auch Berechnung war.
Cooks Bericht hatte nämlich zur Folge, dass dieser Teil Australiens zum „Niemandsland“ erklärt wurde, und das im wahrsten Sinne des Wortes: Es gab damals verschiedene Regelungen, wie mit solchen entdeckten Gebieten zu verfahren war, und die Beschreibung Cooks begünstigte sicherlich, die Küste der Botany Bay zum „Terra nullius“ zu erklären. Es war auch Cooks Vorschlag, in diesem Gebiet nun eine Strafkolonie für englische Gefangene einzurichten, da die Gefängnisse auf den britischen Inseln stark überlastet waren und man Platz brauchte.
Es sollte rund 200 Jahre dauern, bis dieser Irrtum korrigiert wurde und der Anspruch der Ureinwohner, die von Cook einfach übergangen worden waren, auf ihr Land wiederhergestellt wurde. 1992/1993 wurde vor dem höchsten Gericht Australiens im sogenannten Fall „Mabo“ die Ungesetzlichkeit der Inbesitznahme des Landes durch die Briten anerkannt.
Ein Aborigine mit Namen Eddie Mabo gab den Ausschlag zur Verhandlung dieses schicksalsschweren Falles, der nach seinem für die Ureinwohner positiven Ende in Australien für eine Menge Wirbel sorgen sollte.
Eddie Mabo hatte vor der australischen Küste Teile einer Insel genutzt, ohne jemals Besitzrechte auf das Land gehabt zu haben. Es entstand ein Konflikt zwischen den mittlerweile ebenfalls „alteingesessenen“ europäischen Bewohner Australiens und den Ureinwohnern, welcher zu Gunsten Mabos und damit auch der anderen Aborigines geführt hatte.
Riesige Landesteile, die auf Cooks Einwirken einfach von der britischen Krone in Besitz genommen worden waren, wurden von diesem Urteil betroffen, welches außer für Mabo auch anderen Aborigines das Recht einräumte, Ansprüche auf das Land zu stellen, welches ja rechtmäßig ihnen gehörte – immerhin hatten ihre Ahnen es schon genutzt, lange bevor der erste Europäer überhaupt nach Australien gekommen war.
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