Hydro-Electric Scheme
7. November, 2006 von Moderator
Geschichte des Kosciuszko National Park
Schon vor der Ankunft der ersten europäischen Siedler waren Teile des heutigen Nationalparks der Lebensraum für die ansässigen Aborigines, die ihre Gewohnheiten an die Gegebenheiten der Region angepasst haben.
In manchen Gebieten des Parks findet man heutige noch interessante kulturelle Zeugnisse dieser Zeit, allerdings waren weite Teile des Gebirges früher wahrscheinlich genauso unbewohnt, wie sie es heute sind.
In der Frühzeit der europäischen Besiedlung waren die Snowy Mountains und die gesamte Great Dividing Range für die damaligen Australier von keiner großen Bedeutung. Das Gebirge war recht unwegsam und einsam, und das gesamte Land erschien so weit, dass für die Siedler nur die Erschließung der ansprechenden Gebiete interessant war.
Wer hätte auch die Mühen auf sich nehmen sollen, sich in einem kalten und oft nicht einmal besonders fruchtbaren Gebirge nieder zu lassen, wenn es weites Weideland und fruchtbare Regionen überall auf dem Kontinent gab?
Dennoch gab es natürlich auch in dieser frühen Zeit immer wieder Entdecker, die die Region erkundeten und die auf der Suche nach geeigneten, gewinnversprechenden Weidegründen waren. Schon Anfang des 19. Jahrhunderts hatten sich die ersten Europäer in die Bergwelt vorgewagt.
Die größten Teile des Gebietes waren 1840 wahrscheinlich bereits erkundet; zu dieser Zeit allerdings kam der polnische Entdecker Graf Strzelecki in das Gebirge und gab einigen der Berge Namen, die sie bis dahin noch nicht gehabt hatten. Nach dem polnischen Freiheitskämpfer Tadeusz Kosciusko benannte er den höchsten Punkt Australiens; allerdings mutmaßt man heute, dass er diesen vielleicht gar nicht erreicht hat, sondern nur den Mount Townsend bestieg.
Zwanzig Jahre später setzte hier wie in vielen anderen Teilen des Landes der Goldrausch an, der vor allem der Siedlung Kiandra ein rasantes Wachstum bescherte. Innerhalb von wenigen Jahren kamen fast 10.000 Glücksritter in die Region, doch fand der Rausch aufgrund der harten Winter bald ein vorzeitiges Ende.
In der Übergangszeit vom 19. zum 20. Jahrhundert weckte die Region das Interesse der Holzfäller, die hier eine dauerhaftere Lebensgrundlage fanden als die Goldsucher; doch auch sie konnten nicht über längere Zeit Fuß fassen, da man schon bald den ökologischen Wert des Gebietes erkannte und 1944 den Kosciuszko State Park gründete.
Ein prägender Teil der Geschichte der Kosciuszko Ranges und damit des gleichnamigen Nationalparks ist der Bau des Snowy Mountains Hydro-Electric Scheme.
Dieses Projekt war das zur damaligen Zeit größte australische Wasserkraftwerk, welches diesen Rang bis heute verteidigen konnte; bemerkenswert ist allerdings vor allem, dass das Hydro-Electric Scheme in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts in Angriff genommen wurde, zu einer Zeit, als Wasserkraft noch weitaus weniger populär war als heute. Vor allem waren damals für die Planung und den Bau auch ausländische Experten vonnöten, da niemand in Australien die für den Bau nötigen Kenntnisse besaß.
Im Laufe des Baus der „Scheme“ wurden fünf Flüsse umgeleitet (teilweise wurde ihre Fließrichtung um 180 Grad verändert), es wurden Tunnel mit einer Gesamtlänge von mehr als 140 Kilometern gebaut, um eine der unwegsamsten Regionen in ganz Australien mit mehr als 1.600 Straßenkilometern zu erschließen.
So war der Bau auch wirklich ein gewaltiges Projekt. Mehr als 100.000 Arbeitsplätze wurden im Zuge dieses Projektes geschaffen. Diese waren für viele Immigranten aus Mittel- und Südeuropa die erste Möglichkeit, in Australien Arbeit zu finden.
Das Hydro-Electric Scheme war – besonders in Bezug auf die Energieversorgung – so erfolgreich, dass die Energie, die aus der Wasserkraft des Snowy River und des Tumult gewonnen wird, heute eine wesentliche Energiequelle für Südost-Australien ist. Daneben wird noch das Wasser dieser Flüsse selbst genutzt und wird in das Bewässerungssystem der umliegenden Staaten eingespeist.
Die Vielzahl von Arbeitersiedlungen, die im Zuge dieses Projektes in der Region gegründet worden waren, sind heute zwar nicht mehr alle erhalten, doch stellen einigen von ihnen durchaus den Ursprung verschiedener Orte in der Region dar. Vor allem aber stellen die Versorgungswege, die damals gebaut wurden, den Ursprung der noch heute vorhandenen Infrastruktur dar.
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